Der Klimawandel-Aktivismus der letzten Monate (vor allem der "Fridays-for-Future"-Hype) hat irrationale Ausmaße angenommen und bisher nicht zu seiner Versachlichung der politischen Debatte beigetragen. Moralische Appelle an den Einzelnen werden nicht ausreichen, um den Klimawandel effektiv zu bekämpfen.
Ökonomen haben immer darauf hingewiesen, dass es notwendig ist die vielen Einzelhandlungen der Marktakteure, d.h. der Unternehmen und Konsumenten, zu koordinieren. Ein einzelner Konsument oder auch nur eine einzelne Gruppe wird den CO2-Preis wohl kaum beeinflussen können. Nur wenn die Emmission von CO2 mit Kosten verbunden ist, werden Unternehmen und Konsumenten einen Anreiz haben, CO2-Emmissionen zu vermeiden. Daher ist es wichtig, dass CO2-Emmissionen auch einen Preis bekommen, entweder durch eine Steuer oder durch den Handel mit Zertifikaten.
Welches Instrument ist nun besser geeignet, Steuern oder Zertifikatehandel? Diese Diskussion wird auf fachlicher Ebene seit Jahrzehnten geführt. Zertifikate haben den Vorteil, dass ein Ausgleich über Unternehmen mit verschiedenen Ausgangsbedingungen möglich ist. Das System fördert CO2-Einsparungen dort, wo diese besonders leicht vorzunehmen sind. Die freigewordenen Zertifikate können an ein Unternehmen verkauft werden, das sich mit der CO2-Reduktion schwerer tut. Falls beispielsweise eine Fabrik aus den 1980er-Jahren im Vergleich zu einer modernen Fabrik nicht in der Lage sein sollte, CO2 einzusparen, muss es die Verschmutzungsrechte zukaufen. Wenn die Menge an CO2-Zertifikaten regelmäßig reduziert wird, erhöht sich der CO2-Preis bis auch dort Anreize für Innovationen vorliegen, weil die Kosten für Emissionen die Kosten für technische Neuerungen übersteigen.
Wie sind nun Klimamaßnahmen zu beurteilen, die nicht im Zusammenhang mit Preissignalen stehen, sondern auf direkte Regulierungen, öffentliche Investitionen oder Gewissensappellen beruhen? Hier ist Vorsicht geboten. Werden durch diese Zusatzmaßnahmen zu viele Zertifikate frei, wird der Zertifikatepreis gedrückt und es ergeben sich beispielsweise in Nachbarländern Anreize, noch mehr CO2 zu emittieren. Die Klimapolitik kann also paradoxe Wirkungen entfalten.
Umso wichtiger ist es einen funktionierenden Emissionshandel zu implementieren, in dem die Menge an Zertifikaten stärker als bisher reduziert wird und der einen einheitlichen CO2-Preis, damit die Handlungen einzelner Akteure koordiniert werden können.